Urbanisierung

Inklusive Urbanisierung: Städte neu denken, um die Geschlechterkluft zu überbrücken

Lisa Cruciani18.2.2026

Jahrzehntelang wurden städtische Räume nach Prinzipien gestaltet, die vorwiegend männliche Erfahrungen widerspiegeln und dabei oft die unterschiedlichen Sicherheits-, Zugänglichkeits- und Mobilitätsbedürfnisse von Frauen und anderen Gruppen mit spezifischen Bedürfnissen außer Acht lassen. Heute besteht die Herausforderung darin, die Stadtplanung aus einer inklusiven Perspektive neu zu denken – einer Perspektive, die die Geschlechterkluft verringert und städtische Umgebungen fördert, die für alle sicher, gerecht und nachhaltig sind.

Inklusive Urbanisierung: Eine globale Herausforderung

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Internationale Forschungsergebnisse zeigen, dass Frauen, ethnische Minderheiten, Menschen mit Behinderungen und LGBTQ+-Gemeinschaften in Städten, die oft ohne Berücksichtigung ihrer spezifischen Bedürfnisse geplant wurden, größere Ungleichheit erfahren.

Dieses Thema steht im Mittelpunkt der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen, insbesondere:

Die Stadt aus einer Geschlechterperspektive neu zu denken bedeutet, urbane Räume so umzugestalten, dass sie Sicherheit, Zugänglichkeit und Lebensqualität für alle gewährleisten.

Globale Daten zur inklusiven Urbanisierung und ihren Auswirkungen

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Die Städte von heute spiegeln nach wie vor Ungleichheit wider. Trotz Fortschritten in Richtung Inklusion erleben viele Frauen den urbanen Raum weiterhin anders als Männer – sie stoßen auf größere Hindernisse, empfinden mehr Unsicherheit und haben weniger Teilhabemöglichkeiten. Globale Daten zeigen, dass die Berücksichtigung einer Geschlechterperspektive bei der Stadtentwicklung nicht nur eine Frage der Gleichberechtigung, sondern auch eine Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung und sozialen Zusammenhalt ist.

Laut Studien von UN-Habitat und der Weltbank:

  • Frauen geben doppelt so häufig wie Männer an, sich im öffentlichen Raum unsicher zu fühlen.

  • Die Wahrnehmung von Unsicherheit schränkt die Mobilität von Frauen ein und wirkt sich direkt auf ihre Beschäftigung und gesellschaftliche Teilhabe aus.

  • Weltweit sind nur 36 % der Stadträte und 15 % der Bürgermeister Frauen (URBACT-Bericht), was die Einführung inklusiver Stadtentwicklungspolitiken verlangsamt.

Diese Ergebnisse zeigen, dass das Sicherheitsempfinden nicht nur eine individuelle Angelegenheit ist – es ist vielmehr eine Frage der Stadtverwaltung und strategischen Planung.

Warum wir geschlechtsspezifische Stadtplanung brauchen

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Städte sind nicht neutral; sie spiegeln die Prioritäten und Erfahrungen derer wider, die sie gestalten. Deshalb brauchen wir eine geschlechtersensible Stadtplanung – eine, die die Bedürfnisse von Frauen und anderen unterrepräsentierten Gruppen berücksichtigt und einbezieht, damit jeder städtische Raum zugänglicher, sicherer und partizipativer wird.

Die wichtigsten Ziele sind:

  • Verringerung der Geschlechterkluft bei der Mobilität und im Zugang zu Dienstleistungen.

  • Gewährleistung von Sicherheit und Inklusion im öffentlichen Raum.

  • Förderung der aktiven Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen.

  • Integration geschlechtsspezifischer Daten in alle Phasen der Stadtplanung.

„Um Städte wirklich inklusiv und nachhaltig zu gestalten, muss die Stadtplanung systematisch eine Geschlechterperspektive einbeziehen, beispielsweise durch Gender-Mainstreaming. Nur durch die Umsetzung partizipativer Strategien, die Nutzung disaggregierter Daten und eine sensible Planung, die Unterschiede in Mobilität und Sicherheit berücksichtigt, können wir städtische Umgebungen schaffen, die den Bedürfnissen aller Gemeinschaften – insbesondere der am stärksten gefährdeten – gerecht werden.“

Inés Sánchez de Madariaga , UNESCO-Vorsitzende und Beraterin, die den Begriff „Mobilität der Fürsorge“ geprägt hat und analysiert, wie Mobilitätsmuster im Zusammenhang mit Betreuungsaufgaben Städte prägen und geschlechtsspezifische Ungleichheiten offenbaren.

Internationale Best Practices

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Weltweit beweisen zahlreiche Städte, dass ein geschlechtersensibler Ansatz in der Stadtplanung nicht nur möglich, sondern auch äußerst wirksam ist. Von Europa bis Lateinamerika erproben Kommunen und internationale Netzwerke Lösungen, die durch inklusives Design Sicherheit, Barrierefreiheit und Lebensqualität verbessern. Diese Erfahrungen zeigen, wie Daten, Partizipation und Innovation Städte in wirklich gemeinsame Räume verwandeln können.

Mehrere Länder haben innovative Instrumente der Gleichstellungsplanung mit greifbaren Ergebnissen eingeführt:

  • Wien (Österreich): Über 60 öffentliche Bereiche wurden durch gezielte Maßnahmen in den Bereichen Beleuchtung, Barrierefreiheit und Serviceleistungen neu gestaltet – alles unter aktiver Beteiligung von Frauen. Der Bezirk Seestadt Aspern ist ein wegweisendes Beispiel für geschlechtergerechte Stadtentwicklung.

  • Barcelona (Spanien): Die fußgängerfreundliche Politik und die sogenannten Superblocks der Stadt reduzieren den Verkehr und erhöhen die Sicherheit im öffentlichen Raum. Diese Maßnahmen, die im Rahmen des Ley de Barrios umgesetzt wurden, fördern eine gerechtere und ausgewogenere Nutzung des städtischen Raums.

  • Bogotá (Kolumbien): Die Safetipin-App wird genutzt, um Risikogebiete zu kartieren und die öffentliche Sicherheit durch partizipative Datenerfassung und verbesserte Überwachung zu erhöhen.

  • Umeå (Schweden): Die Stadtplanung basiert hier auf räumlichen Nutzungsdaten und Sicherheitsempfindungen, wodurch ein international anerkanntes Modell des Gender-Urbanismus entsteht.

  • STEP UP-Projekt (Mailand): Ein internationales Modell, das partizipative Technologien wie mobile Apps und GIS-Kartierung integriert, um Sicherheitsrisiken zu identifizieren und Bürger einzubinden. Die Projektergebnisse werden auf der URBACT-Plattform dokumentiert.

Die Rolle von Forschung und Wissenschaft bei der inklusiven Urbanisierung

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Universitäten und Forschungszentren entwickeln innovative Methoden, um den Zusammenhang zwischen Stadtverwaltung, Sicherheit und Inklusion zu untersuchen. Das Handbuch für geschlechtergerechte Stadtplanung und -gestaltung benennt sechs zentrale Handlungsfelder:

  • Zugang

  • Mobilität

  • Sicherheit

  • Gesundheit

  • Klimaresilienz

  • Recht auf Wohnen

Die Verwendung nach Geschlecht aufgeschlüsselter Daten und partizipativer Kartierungstechnologien ist unerlässlich für die Gestaltung sichererer, inklusiverer und wirklich menschenzentrierter Städte.

Auf dem Weg zu inklusiveren und sichereren Städten

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Geschlechtersensible Stadtplanung ist ein wesentlicher Bestandteil nachhaltiger und resilienter Städte. Der Schlüssel liegt in einer Planung, die auf aktiver Bürgerbeteiligung und der Nutzung geschlechtsspezifischer Daten basiert, um öffentliche Räume zu gestalten, die sicher, barrierefrei und einladend für alle sind.

Nur mit diesem Ansatz können wir soziale und physische Barrieren abbauen, die Geschlechterkluft schließen und urbane Inklusion und Sicherheit als grundlegende Säulen von Innovation und Fortschritt fördern.

dormakaba Redaktionsteam

Lisa Cruciani

Lisa Cruciani

Lisa ist die Marketingmanagerin von dormakaba Italien und die Redakteurin der italienischen Ausgabe des dormakaba Blogs. Sie hat einen Master-Abschluss in Kommunikation und Marketing vom Europäischen Institut für Design in Mailand erhalten.

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